Ann Cathrin Raab

Im Kopf gab es ein Bild von Luise. Aber wie kommt die Idee auf ein Blatt und wird ein Logo? Dazu ist professionelle und künstlerische Hilfe nötig. Die Illustratorin und Buchautorin Ann Cathrin Raab und ich sind schon mehrfach in Neumünster über den Weg gelaufen. In ihre Zeichnungen hatte ich mich gleich verliebt. Erst habe ich ihre Kinder im Krankenhaus fotografiert, dann hat sie uns als Illustratorin in der Waldorfschule begleitet. Es folgte unsere erste Zusammenarbeit für das Magazin LandGang. Dann durfte ich über sie schreiben und näher kennenlernen. Also war mein Weg nicht weit, als ich mich auf die Suche machte, wer denn die Luise zeichnen könnte. Sie hat genau verstanden, was mir die Luise bedeutet und all ihr Talent und ihre Leidenschaft dort hineingegeben. Dafür bin ich zutiefst dankbar! Und so wurde sie zu einem wichtigen Teil der Luise von der Pelzwiese – sozusagen ihre zweite Mutter, oder Patentante, ist auch egal, jedenfalls Familie. Was für ein Glück! Und unser Weg ist noch nicht zu Ende. Wir haben noch Pläne für die Luise und für andere Dinge. Aber hier ist nun erst einmal die Geschichte von Ann Cathrin und ihr preisgekröntes Krickel Krakel.

Ein Frosch, eine Maus, ein Schaf, ein Krokodil, viele Bienen und weitere Wesen schwirren durch den Raum. Eine ganze Bande hat sich breitgemacht auf Blättern, Büchern, Zetteln, Dingen. Sie hängen an den Wänden, krabbeln in Regalen, haben sich im Computer versteckt. Schwarze Linien, geschwungen verbunden zu lustigen Gesellen. Einige sind schon koloriert. Die Farbe ist verrutscht – wie bei Kinderzeichnungen, wo kleine Hände im Eifer mit dem Stift über den Rand geschossen sind. Sie sehen nicht alle gleich auch, aber die Verwandtschaft ist unverkennbar. Familienbande. Sie stammen alle aus einer Hand oder besser gesagt, aus einer Feder. Ihre künstlerische Mama ist die Illustratorin Ann Cathrin Raab. Sie lebt in unserer kleinen Stadt. Gelesen wird sie in der ganzen Welt. Sogar die Chinesen kennen ihre Kunst.

Kreativer Tatort ist ein Einfamilienhaus nahe der Stadtmitte. Zentral und gut vernetzt. Die Wege zur Kita nicht weit. Und genau das braucht eine zeichnende Mutter von zwei kleinen Kindern, die mit den Stiften das Geld verdient. Mama mit Kindern gleich Kinderzeichnungen. So könnte man es meinen. Ist aber nicht so. Denn die kreative Tierchenschar ist schon länger in ihrem Leben, als ihre Kinder auf der Welt. Schon in jungen Jahren begeistert sich Ann Cathrin für Farben und Stifte. Zu gern saß sie vor weißen Blättern und füllte diese mit bunten Farben. Geboren ist sie in Hamburg, aufgewachsen in Brokstedt und ihr Abitur machte sie an der IGS-Brachenfeld in Neumünster. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es die grobe Richtung für ihre berufliche Laufbahn. Da es nicht leicht ist, einen der wenigen Plätze an den Kunstschulen und Universitäten zu ergattern, lautete ihr Plan B: Psychologiestudium. Ein 5-monatiges Praktikum in einer Werbeagentur machte Lust auf mehr.

Doch zunächst startete Plan B und dann kam doch der begehrte Platz um die Ecke. Sie begann in Hamburg an der HAW ein Studium Kommunikationsdesign und Illustration. Fortan standen Themen wie Farbe und Form, Zeichnen, Drucktechnik, Typografie, Fotografie oder auch Aktzeichnen auf dem Stundenplan. Ein künstlerischer Entwicklungsprozess nahm seinen Lauf. Ihre wichtigste Aufgabe: „Ich habe lernen müssen, meinen Kopf auszuschalten und mich wirklich auf diesen Prozess einzulassen.“

Dass die 36-jährige Diplomdesignerin heute als Freiberuflerin arbeitet, ist bis heute für sie eine überraschende Entwicklung. Aber sie mag es durchaus alleinige Herrin ihres Arbeitsplans zu sein. „Meine Kollegen sitzen in Ateliergemeinschaften und ich arbeite eben von zu Hause aus.“ Was sich spätestens mit der Niederlassung der Familie in Neumünster und der Geburt von Tochter und Sohn auch als sehr praktisch entpuppte. Gutes Timing ist alles und so geht es ziemlich schnell, wenn die kleine Bande das Haus morgens verlassen hat, an den Schreibtisch. „Ich brauche Ruhe zum Arbeiten“, verrät sie die wichtigste Zutat ihres kreativen Schaffens. „Gerade wenn ich etwas Neues entwerfen muss, laufen weder Radio oder Hörbücher. Es ist einfach still.“ Nur das leise Kratzen der Feder ist zu hören, wenn sie konzentriert ihre Figuren auf dem Papier entwirft. Viele von ihnen sind schon zu langen, liebevollen Wegbegleitern geworden. Direkt über ihrem Zeichentisch hängen dann Seite für Seite von neuen Büchern. So hat sie die Entwicklung gut im Blick. Dort sind auch noch Spuren ihrer aktuellen Arbeiten zu erkennen, die in diesem Jahr bereits erschienen sind: das Geschenkbuch „Das große Lalula“, in dem sie das Nonsens-Gedicht aus dem Dada von Christian Morgenstern zeichnerisch interpretiert hat (Prestel). Und viele Schnipsel mit denen ihre kleinen Leser im Kreativ-Buch „Ritsch-Ratsch Papiercollagen“ Tiere bekleben können (ArsEdition).

Ihre Arbeit macht sie im heimischen Atelier. Und doch gibt es auch eine ziemlich erfolgreiche Kollegenschaft. Ann Cathrin Raab ist Teil der Illustratorengruppe „Krickelkrakels“. Die niedliche Kinderserie mit kreativem Weitermalkonzept prangt mittlerweile nicht nur auf vielen Büchern in ebenso vielen, fremden Sprachen, sondern auch auf unzähligen Artikeln wie Blöcken, Zeichenheften, Radiergummis und vielem mehr. Seit dem Start der Serie zieren ihre Figuren die Titelseiten. Sie ist gut vernetzt, tauscht sich aus, besucht Kollegen. Zweimal im Jahr trifft sich die Branche auf der größten Kinderbuchmesse im italienischen Bologna oder in Frankfurt auf der Buchmesse.

Die Handschrift von Ann Cathrin ist unverkennbar. Diese Art zu zeichnen und die Entwicklung ihrer Figuren ist schon früh in ihrem Kopf geboren. Die Ausführung erfolgt sowohl noch als Handwerk als auch am Computer. Wobei der einzige Unterschied in der Art des Stiftes liegt. Ihre Entwürfe als Tuschezeichnungen fertigt sie meistens mit einer Rohrfeder aus Bambus oder mit dem Bleistift. Am Computer ist es ein Plastikstift, das Zeichenblatt ein spezielles Tablett. Aber egal welche Technik, am Ende kommt immer Raab raus.

Und das sehr erfolgreich. Schon mit ihren ersten Büchern konnte sie Preise einheimsen. „Ein Mann geht in die Welt“ und „Zeckengeflüster“ wurden mehrfach prämiert und landeten auf Spitzenplätzen in Sachen schöne Kinderbücher. Das Goethe-Institut begeisterte sich für den Mann, der in die Welt ging und nahmen es mit passenden Arbeitsblättern in das Programm „So lernen Kinder erfolgreich Deutsch“ auf. Das macht nicht nur gute Laune, sondern auch die Verlage aufmerksam. Und so kommt es, dass viele ihrer Werke in den Bücherregalen auf polnisch, chinesisch, arabisch, englisch und weiteren Sprachen stehen. Die Auftragsarbeiten laufen häufig parallel. Denn vom Entwurf bis zum fertigen Buch kann viel Zeit vergehen. Die Liste der Verlage, mit denen sie zusammenarbeitet, liest sich wie das Who is Who der Kinderbuchbranche: F. Oetinger, Rannenberg & Friends, ArsEdition, Prestel, Kunstanstifter, Hinstorff, Thienemann, Cornelsen, Loewe.

Raabs gibt es nicht nur im fernen China oder in den Buchhandlungen der Welt. Viele Neumünsteraner werden schon mal eine echte Raab in der Hand gehalten haben, ohne zu wissen, dass sich die Künstlerin dahinter verbirgt. Auf dem Etikett des Demeter-Honig vom Imker Lehmann schwirren ihre Bienchen, die Schwimmschule Wasser-Quatsch hat unverkennbar die Raabsche Federführung. Sie hat sich bei Rannenberg & Friends mit Käfern, Fröschen, Schafen und anderem Getier auf Frühstücksbrettchen, Teebeuteln, Kühlschrankmagneten, Putzis und weiteren Dingen des Alltags verewigt. Im Sommer gibt es Raabs Krickel-Krakel-Freundebuch bei Tchibo. Sie gestaltet Plakate, Spiele, Bücher, Webauftritte, Firmenlogos, Grußkarten. Und immer mit dem speziellen Strich, der Leichtigkeit und Fröhlichkeit, der beim Anblick ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Und noch eine schöne Geschichte gibt es über die fröhliche Illustratorin zu erzählen. Offiziell heißt nämlich gar nicht mehr Raab, sondern hat nach der Heirat den Namen des Mannes angenommen. Geradezu märchenhaft lautet der ausgerechnet Grimm. Aber Raab hatte sich schon sehr in den Köpfen der Fangemeinde verankert. Künstlername halt, den heiratet man nicht so einfach weg.

 

(Fotos Alexandra Brosowski)

2 Kommentare

  1. Dazu ist sie noch eine ganz Nette. Wir kennen uns vom Zumba. Und sie hat das tolle Logo von der Tierhilfe gestaltet und uns dazu geholfen, unser Logo auf Stoffbeutel drucken zu lassen. Vielen lieben Dank noch mal an dieser Stelle. Deine Zeichnungen sind zuckersüß.

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