Maren im Glück

Maren Hansen hat dem über 300 Jahren alten Bauernhof Fleudenberg auf Eiderstedt neues Leben eingehaucht. Entstanden ist ein Seelenort mit üppigem Bauerngarten und restgedecktem Häuseremsemble.

„Dat kann nix werden mien Deern!“

Maren Hansen hat die mahnenden Worte des ehemaligen Hof-Besitzers noch heute im Ohr. Den Kopf geschüttelt hat er über Pläne für den alten Garten in Kotzenbüll auf der Halbinsel Eiderstedt. Reiche Obst- und Gemüseernte? Das könne bei dem schwer zu bearbeitenden Boden nichts werden. Wie gut, das Maren Hansen, geboren auf Eiderstedt, schon immer ihren eigenen Kopf hatte. Und was sie sich vorgenommen hat, wird auch in die Tat umgesetzt. Verwundert würde sich der Altbauer die Augen reiben, denn die tatkräftige „Deern“ hat gemeinsam mit Ehemann Helmut einen prächtigen Landschaftsgarten geschaffen. Mittendrin in all der Blütenpracht, den mächtigen Hof-Bäumen und umgeben von weiten Ländereien steht stolz das reetdachgedeckte Bauernhaus. Eine Augenweide.

Das war nicht immer so und bis dahin war es auch für die Hansens ein weiter Weg. Wirtschaftlich mussten früher die Höfe vor allen Dingen sein und für die Bauernfamilie genug Ertrag zum Leben bringen. Schöne Gärten hatten da keinen rechten Platz. Und Zeit gab es allemal nicht nicht für das hart arbeitende Landwirtsvolk. Vor über 300 Jahren wurde das Anwesen auf dem Fleudenberg errichtet. So heißt die Warft, der „Fluchtberg“, der den Tieren Schutz bot, wenn das Wasser der Nordsee bedrohlich die Wiesen, Siele und Felder flutete. Die Warft diente früher hauptsächlich den Kühen als Weidefläche.

Früher Kuhstall, heute Heizungsraum

Das Haus war vor allen Dingen praktisch angelegt. Der größte Teil des Gebäudes waren für die Tiere, Futter, Gerätschaften und als Speicher angelegt. Das restliche Drittel war für die Bewohner bestimmt. Es gab einen kleinen Nutzgarten, schlicht und einfach mit zwei Obstbäumen drauf. Das landwirtschaftliche Treiben war längst eingestellt, als Maren Hansen mit ihrem ersten Ehemann das Haus für sich entdeckte. Hochbetagt und ohne Hoferben stand es zum Verkauf. Voller Tatendrang und Freude übernahm das junge Paar das Anwesen und musste erst einmal kräftig umbauen. „In unserem Heizungsraum standen früher die Kühe“, erinnert sich Maren Hansen lachend. „ Und wir schlafen praktisch im alten Stall.“ Doch davon ist längst keine Spur mehr zu sehen. Wo früher das Rindvieh auf rauen Böden stand, stehen heute antike Landhausmöbel mit eleganter Deko und zarte Vorhänge zieren die Sprossenfenster.

Einzugsgeschenk: Die ersten Schafe

Hochschwanger ist die junge Maren im März auf den eigenen Hof eingezogen. Noch mit dickem Babybauch pflanzte sie die ersten Blütensträucher und Radieschen, bevor im Mai die Tochter das Licht der Welt erblickte. Zum Einzug gab es die ersten Schafe von den Eltern als Geschenk. Für sie ein langgehegter Wunschtraum: „Ich wollte eigentlich unbedingt Schäferin werden“, erinnert sie sich an ihre frühe Vorliebe für die wolligen Tiere. Das sollte nun nichts werden, aber für eine kleine eigenen Herde hat es doch gereicht. Mittlerweile 20 Mutterschafe arbeiten fleißig als Landschaftspfleger auf der Fleudenberger Warft und halten das Gras schön kurz. Eng an ihrer Seite eine 31köpfige wilde Bande an kleinen tierischen Hilfsarbeitern, denn so viele Lämmer gab es in diesem Jahr auf dem Hof. Bei Stress und schwierigen Lebenssituationen, dienen sie stets auch als flauschige Nerven-Beruhiger. „Geh erst mal in den Schafstall haben die Kinder immer in brenzligen Situationen geraten“, erinnert sich Maren Hansen schmunzelnd.

Doch noch mal zurück zu den Anfängen. Es folgte ein Sohn und viele Stunden gemeinsam mit den Kindern im Garten. Blumen hatte die junge Mutter da noch wenig im Sinn. „Rosen waren mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht so wichtig.“ Stattdessen stürzt sie sich voller Tatendrang in den Gemüseanbau. So der Plan. Aber zunächst musste der schwere Boden mächtig bearbeitet werden. Eine Knochenarbeit für die zarte Person. „Mir klangen immer die Worte vom Bauern im Ohr. Das wollten wir doch mal sehen, ob aus diesem Boden nichts rauszuholen wäre“, lacht sie. Der Marschenboden wurde ordentlich mit Humus angereichert und jedes Jahr konnte die stolze Gärtnerin mehr Früchte aus dem Garten holen. Noch heute staunen ihre Feriengäste und Gartenbesucher über die farbenfrohe Ernte im großen Gemüsebeet: Kartoffeln, Zucchini, Kürbis, Bärlauch, Kräuter, Bohnen und jede Menge Beeren und Obst.

Neuanfang mit 50 Jahren

Kinder, Küche, Haus und Hof. Reichlich Arbeit für die attraktive Eiderstedterin. Als die Kinder groß genug waren, unterstützte sie den Ehemann in den Schuhgeschäften in Tönning. Es gab viele Tiere. Vor allen Dingen Vater und Tochter liebten das Reiten und hatten einen Reitplatz und Ställe angelegt. Es hätte ewig so bleiben können. Aber das Leben hatte andere Pläne. Ihr Mann erkrankte an Krebs und starb mit nur 53 Jahren schließlich daran. Ein tiefer Einschnitt. Das ist nun elf Jahre her. Seitdem hat sich viel verändert. Für Maren Hansen hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Nach dem Verlust des Ehemanns, trennte sie sich von den Geschäften und baute sich eine neue Existenz als Gäste- und Gartenführerin auf Eiderstedt auf. Vieles war in Frage gestellt, nur eins nicht: Auf jeden Fall wollte sie das Zuhause, den Fleudenberg erhalten. „Mit 50 Jahren hat sich mein Leben noch mal komplett gewandelt.“

Sie liebte ihre Heimat und hat immer gern Geschichten gelauscht und erzählt. Das sollte ihre Zukunft werden. Maren Hansen hat das Geschichten erzählen zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Zu gern vertiefte sie sich in die alten Sagen und Erzählungen. Mit ihrer fröhlichen und warmherzigen Art begeistert sie ihre Zuhörer als engagierte Gästeführerin und zeigt die schönsten Plätze auf der Halbinsel. Ganz besonders lieben die Besucher sie in ihrer traditionellen Tracht. Diese wird natürlich nur zu besonderen Anlässen angezogen. An Festtagen oder zum „Eiderstedter Mahl“ im historischen Roten Haubarg. Schöne Gärten kennt sie viele. Auf ihren Touren zeigt sie die Schönsten, wie beispielsweise den historischen Hochdorfer Barock-Garten in Tating. Zwei Ferienwohnungen und ein kleines Häuschen hat sie liebevoll für Gäste hergerichtet und bilden die dritte Einkommenssäule.

Garten als Seelenort

In all den harten Zeiten bis heute findet sie Trost und neue Kraft in ihrem Garten. Ein wichtiger gestalterischer Partner an ihrer Seite: Sohn Torge, der als Landschaftsgärtner auch fachlich die Mutter unterstützen kann. Irgendwann ist auch das Lachen und die Liebe wieder auf den Fleudenberg eingezogen. Mit Helmut, ebenfalls verwitwet, kam ein neues Glück auf den Hof. Zwei Naturliebhaber finden zusammen und arbeiten seitdem voller Hingabe Seite an Seite im Garten und für die Gäste. Den Heiratsantrag gab es, wie sollte es anders sein, unterm Apfelbaum. Heimat, Historie, Gartenglück, Geheimtipps – aus diesem Vierklang schufen die beiden die kulinarische Eventreise „Eiderstedt hat Biss“ – eine Schlemmer- und Wissenstour von Eiderstedter Produzenten. Geballtes Talent, was auch dem Fernsehen nicht verborgen bleibt. Diverse Reportagen vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) wurden auf Fleudenberg und Eiderstedt gedreht.

Mit Helmut hat sie das Paradies vollendet und einen imposanten Landschaftsgarten geschaffen. Üppige Rosen- und Hortensienhorste umschmeicheln das Anwesen. Ein großer Teich und viele geheimnisvolle Ecken laden zum Verweilen ein. Unzählige Blüteninseln erfreuen Augen und Herzen. Legendär ist die üppige Pracht an Märzenbechern und Schneeglöckchen. Immer wieder bleibt das Auge gefangen an Hinguckern. Viele Sprüche und Lebensweisheiten sind im Garten verewigt. Viel zu Lachen gibt es an der Schaf-Wetterstation. Für beide ist der Garten auch ein Kraftort. Und ein ganz besonderer Chor liegt über all dem. Ein vielstimmiger Gesang einer fröhlichen Vogelschar, unterbrochen vom bestimmten Blöken der Mutterschafe, den zarten Stimmen der Lämmlein und dem Gegacker vom Hof-Hahn mit seiner Damenschar. Musik in Marens Ohren, die sich gar nicht satt hören kann. „Was für eine Freude!“, schwärmt sie. „Meine ganze Energie hole ich mir aus dem Garten, aus unserem Paradies.“

www.ferienhof-fleudenberg.de

Gut zu wissen: Maren Hansen auf ich auf einer Veranstaltung des Verbandes „Urlaub auf dem Bauernhof“ kennengelernt. Dort war ich als Dozentin eingeladen. Mich hat sie gleich begeistert, mit ihrer charmanten und anpackenden Art. Und dann kamen wir auf ihren Hof, zu dem ich wohl nicht mehr viel sagen muss. Gemeinsam mit dem Fotografen Michael Ermel haben wir bei bestem Wetter auf Eiderstedt für unsere Reportage arbeiten dürfen. Sie erschien erstmals in der Juli/August-2015-Ausgabe von LandGang.

Text: Alexandra Brosowski     Fotos: Michael Ermel + Alexandra Brosowski

 

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