Warum Luise?

Luise am Strand

Luise von der Pelzwiese…

…ist kein Kunstprodukt, sondern war ein Kosename meiner Kindheit. Dafür stehe ich – Alexandra Brosowski, freie Journalistin, Fotografin, Autorin und noch viel mehr aus Schleswig-Holstein. Als ich einen Namen für mein Magazin suchte, fielen mir viele gute Worte ein. Klaro, schließlich ist es mein Beruf, die richtigen Worte zu finden. Aber es waren eben „nur“ irgendwelche Worte. Im Kreis meiner Liebsten ausprobiert verursachten sie Assoziationen, die ich so nicht wollte. Ich war dabei, einen großen Schritt zu tun – nämlich mein eigenes Unternehmen zu gründen. Nicht unbedingt ein ganz neuer beruflicher Weg, schließlich bin ich schon seit über 20 Jahren freie Journalistin. Aber mit Freiheit hatte das immer weniger zu tun. Ich kann viel und bin flexibel. Der Markt erwartet das von mir und ich bot gerne den breiten Bauchladen. Daher wurde ich gut gebucht. Aber es sollte immer möglichst billig sein und bleiben – egal wie groß die Leistung war und wie erfolgreich. Ich bog immer öfter falsch ab, tat Dinge, die immer weniger mit Journalismus zu tun hatten, arbeitete immer mehr und verdiente immer weniger. Wir freien Journalisten arbeiten ohne Netz und doppelten Boden. Heißt, wenn es den Auftraggebern in den Kopf schießt, werden wir raus gekickt ohne Absicherung. Man lebt mit dem Risiko und versucht es mit verschiedenen Säulen abzufedern. Das ist wie Jonglieren und man versucht, zehn Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. Ich habe lange nicht gemerkt wie viel Energie das kostet. Wenn man über Jahrzehnte zusammen arbeitet, fühlt man sich etwas sicherer. Ein fataler Irrtum. Nach 14jähriger Zusammenarbeit wurde mir per Handy mitgeteilt, das man sich für eine billigere Variante entschieden habe. Und damit noch mehr Leute sparen ist man auch gleich zu meinem anderen Arbeitgeber gegangen und hat ihn überzeugt, auch auf mich zu verzichten. Es hätte nichts mit mir zu tun und ich sollte das nicht persönlich nehmen. In drei Minuten verlor ich vier Jobs, zwei Freunde, den Großteil meines Einkommens und nach weiteren Verlusten im Laufe der kommenden Monate den Boden unter den Füssen.

Unternehmerisch ist alles immer gut nachzuvollziehen. Aber was das mit Menschen macht, was das mit mir machte? Nichts wollte mehr gelingen. Und das mir – der Meisterin im Erfinden neuer Jobs, der Überlebenskünstlerin – hatte ich doch schon eine Krebserkrankung und ein Burnout überstanden. Alle Krisen gemeistert und immer fröhlich weiter gemacht. Jetzt war ich fertig und am Ende angekommen. Der Kampf in meinen vielen Jobs hatte mich verzagt, mich klein und arm gemacht, ausgelaugt und meine Kreativität eingepfercht. Ich verlor schließlich meinen Wert aus den Augen, nicht nur als Mitarbeiterin, sondern auch als Mensch. Beinahe hätte ich mich verloren…

Der Beginn einer zauberhaften Reise – und ich bin die Reiseleiterin!

Das es nicht so gekommen ist, habe ich meinen wunderbaren Kindern und meinem Mann zu verdanken. Und meinem unglaublichen „Aufsteh-Unkraut-vergeht-nicht-Gen“ und nicht zuletzt meinem Trotzkopf und der Idee, nicht am Leben zu zerbrechen, wenn ich doch das Glück hatte Krebs zu überleben. Dieser Weg hat mehr als zwei Jahre gedauert. Hinfallen, aufstehen. Kronen hatte ich nicht, die ich richten konnte, aber mich und meine Talente. Im letzten Jahr habe ich ein schönes Projekt mit auf den Weg gebracht, bei dem ich all diese reaktivieren konnte. Das Projekt ist für mich beendet, aber ich wusste wieder, was ich alles kann. Und ich habe noch etwas entschieden: Mein Leben weitestgehend zu einer Arschlochfreien Zone zu erklären. Nicht einfach, aber löppt…Und dann war sie da, die Idee und der Mut, endlich etwas Eigenes zu machen. Ein Tag nach meinem 50. Geburtstag hatte ich die Erleuchtung, für all das, was jetzt kommt. Der Beginn einer zauberhaften Reise – und nur ich bin die Reiseleiterin. Fühlt sich toll an!

Zu zagen, zaudern und jammern ist wenig hilfreich. Das Glück muss man schon selber in die Hand nehmen. Und das ist wiederum das Tolle für unsere Zunft in dieser Zeit: Die Technik macht es möglich, eigene journalistische Produkte allein auf den Weg zu bringen. Denn es braucht keinen Riesenstab an Druckern, Vertrieblern, Mediaberatern oder was sonst noch dazu gehört. Ich wage das Experiment daher alleine. Im Bereich Technik bin ich nicht hochbegabt, aber die sehr besonnene Maike Brzakala hat mich in der Welt von WordPress an die Hand genommen und verhindert, dass ich allzu oft in die Schreibtischkante beiße.

Als ich nach einem Namen für mein Projekt suchte, erinnerte ich mich an ein kleines, starkes Mädchen. Sie war völlig angstfrei, naseweis und immer auf der Suche nach Abenteuern. Jeden Nachmittag machte sie sich mit ihren roten Gummistiefeln an den Füßen, einer Schürze mit Täschchen vorne und darin einen Plastiklöffel, mit dem es sich vorzüglich aus Pfützen löffeln ließ, auf, die Welt zu erobern. In besonderen Momenten nannten ihre Eltern sie „Luise von der Pelzwiese“. Das kleine Mädchen ist längst erwachsen geworden und hat auf ihrem Weg viele Prüfungen gemeistert. Die Flügel sind klein geworden, die Narben tief und zeitweise war auch das Lachen verschwunden. Aber nun ist das Herz wieder voller Freude und Lebensmut. Den Schwung und die Abenteuerlust hat sie wiedergefunden. Dafür steht die Luise, für das Hinfallen und das wieder aufstehen, für den Mut, die Liebe und Geschichten, die das Leben schreibt. Die tolle Illustratorin Ann Cathrin Raab aus Neumünster hat diese Luise gezeichnet und ein Gesicht gegeben – dafür danke ich ihr sehr! Und nun hereinspaziert in Luises Welt, die bunt, farbenfroh, lebendig, manchmal auch ernst und traurig, gern verrückt – aber authentisch, ehrlich, echt – halt wie das Leben ist.

4 Kommentare

  1. Achim Kalla

    Hallo Frau Brosowski,
    wunderschön geschrieben und zu Herzen gehend, Ihre ganz persönliche Geschichte vom Hinfallen und Aufstehen. Ich drücke die Daumen, dass sie auf ein Happy End hin zuläuft. Wie heißt es so schön im Best Exotic Marigold Hotel: Am Ende sollte immer alles gut sein. Und ist etwas noch nicht gut – dann ist es eben auch noch nicht das Ende.
    Auf geht´s 🙂

    • Alexandra Brosowski

      Ein fröhliches Ahoi zurück,
      vielen, lieben Dank für die Worte! Es ist wahrlich nicht leicht, darüber zu schreiben. Es brauchte viel Mut. Aber ich habe mich entschieden, ganz authentisch und ehrlich zu sein. Die Luise ist weit mehr für mich als ein Brotjob, sondern ein Ergebnis all dieser Erfahrungen. Wie sagte meine Oma immer so schön: „Unter jedem Dach ein Ach.“ Und so ist es auch. Wir alle erleben Krisen, aber was macht man daraus? Das Leben ist nicht die Generalprobe, sondern man hat eben nur das Eine. Und Sie glauben nicht, wie viel Freude so ein eigenständiges Projekt macht! Selbst wenn es nicht funktionieren sollte, habe ich bis hierhin schon so viel gewonnen! Na ja und im Scheitern bin ich schon geübt ;-). Eines ist ganz gewiss: Geschichten werden mir nicht ausgehen! In dem Sinne grüßen ganz herzliche Alexandra & Luise

  2. Schöne Geschichte Luise, aber jetzt muss ich mal ausprobieren was passiert, wenn ich das hier sende 🙂

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